Warum der Platz unter der Treppe oft verschenkt wird - und wie du ihn richtig einschätzt
Unter der Treppe steckt meist wertvoller Stauraum, aber viele Lösungen scheitern an drei Dingen: falsches Aufmaß, unpraktische Türen und zu wenig Licht. Dazu kommen in Deutschland häufig Altbau-Schrägen, Heizungsrohre, Sicherungskästen oder eine knappe Flurbreite (typisch 90-120 cm). Wenn du vorab sauber prüfst, sparst du dir teure Fehlbauten und bekommst Stauraum, der im Alltag wirklich funktioniert.
Wichtig: Untertreppen-Stauraum ist kein Standard-Schrank. Die Schräge erzwingt eine maßgeschneiderte Aufteilung. Gleichzeitig muss der Zugang ergonomisch bleiben, sonst wird es ein „Abstellloch“ statt nutzbarer Fläche.
Als Faustregel: Wenn du mindestens 60 cm nutzbare Tiefe an der tiefsten Stelle und eine Zugangsbreite von 50-70 cm realisieren kannst, lohnt sich die Planung fast immer.
- Typische Ziele: Schuhe und Jacken, Putzmittel, Vorräte, Werkzeug, Koffer, Kinderwagen-Zubehör.
- Typische Stolperfallen: Türen kollidieren mit Flurverkehr, dunkle Ecken, schiefe Fronten, knarzende Auszüge.
| Lösung | Bestens geeignet für | Realistische Kosten (DE) |
| Offene Regale + Körbe | Schneller Stauraum, Mietwohnung, geringe Tiefe | 80-300 EUR |
| Schiebetüren vor Nische | Ruhige Optik, breite Öffnung, wenig Platz im Flur | 250-900 EUR |
| Maß-Einbau mit Auszügen | Maximale Nutzung, schwere Sachen, Ordnung | 900-3.500 EUR |

Aufmaß und Check: In 30 Minuten zu den richtigen Planungsdaten
Bevor du Möbel suchst: Miss den Raum so, dass du später nicht an Leisten, Stufenunterkante oder Heizungsrohren scheiterst. Du brauchst keine Profi-Software, aber ein strukturiertes Vorgehen.
Schritt-für-Schritt-Aufmaß
- Grundfläche: Länge der Treppenwange am Boden und Tiefe bis zur Wand. Notiere auch Sockelleistenhöhe (oft 8-12 cm).
- Höhenpunkte: Miss alle 30 cm entlang der Länge die Höhe bis zur Unterkante der Treppe. So bekommst du die Schräge als „Profil“.
- Störstellen: Heizungsrohre, Revisionsklappen, Stromverteiler, Türzargen, Lüftungsgitter. Lage + Maße notieren.
- Flurbreite: Wie viel Platz bleibt vor der späteren Front? Unter 100 cm sind Drehtüren oft nervig.
- Boden: Ist er eben? Bei Altbaufliesen oder Dielen: Gefälle prüfen (Wasserwaage/Lineal).
Praxis-Tipp: Das Pappschablonen-Trick
Schneide aus Karton ein Rechteck in der geplanten Tür- oder Auszugsgröße (z.B. 60 x 60 cm) und teste vor Ort, ob du es im Flur wirklich „schwenken“ kannst. Das verhindert die klassische Fehlentscheidung „Drehtür passt theoretisch, aber nicht im Alltag“.
Die richtige Zugangsart wählen: Drehtür, Schiebetür oder Auszüge?
Die Zugangsart entscheidet über Komfort. Unter der Treppe sind viele Ecken tief, dunkel und schwer erreichbar. Darum gewinnt fast immer eine Lösung, bei der der Inhalt zu dir kommt.
Drehtüren: nur wenn der Flur genug Luft hat
- Gut: günstig, leicht umzusetzen, viele Standardbeschläge.
- Schlecht: Türflügel blockiert den Flur, tiefe Ecken bleiben ungenutzt.
- Wann sinnvoll: Flurbreite ab ca. 120 cm und eher flache Nische.
Schiebetüren: ruhige Optik, wenig Platzbedarf
- Gut: keine Kollision im Flur, große Öffnung möglich, wirkt aufgeräumt.
- Schlecht: immer nur ein Teil gleichzeitig offen, Schiene muss sauber laufen.
- Praxis: Für Putzmittel und Schuhe okay, für „alles auf einmal erreichbar“ weniger.
Auszüge auf Rollen: die beste Alltagslösung bei Tiefe
- Gut: komplette Tiefe nutzbar, nichts verschwindet hinten, ideal für schwere Dinge.
- Schlecht: teurer, braucht präzises Maß, gute Auszugsschienen nötig.
- Empfehlung: Für Vorräte, Getränkekisten, Werkzeug, Staubsauger, Recycling.
Kombi-Lösung, die sich bewährt
Sehr praxistauglich ist eine Kombination: vorne 1-2 schmale Auszüge (30-40 cm) für Kleinteile und daneben 1 großer Auszug (60-80 cm) für Staubsauger/Kisten. Unter niedrigen Stufen: Klappenfächer oder flache Schubladen für Schuhpflege, Handschuhe, Beutel.
Innenaufteilung nach Inhalt planen: 6 Zonen, die wirklich funktionieren
Plane nicht „Regalboden an Regalboden“, sondern nach Gegenständen. Untertreppen-Stauraum wird gut, wenn jedes Teil eine eindeutige Parkposition hat und die schweren Dinge ohne Verrenkung erreichbar sind.
Zone 1: Schuhe und Alltagskram (vorn, gut erreichbar)
- Schuhregale mit 18-22 cm Fachhöhe
- Körbe für Mützen, Schals, Hundeleine
- Tropfmatte oder herausnehmbares Tablett gegen Nässe
Zone 2: Putzgeräte (mittig, hoch genug)
- Freiraum für Staubsauger: mind. 120-140 cm Höhe je nach Modell
- Hakenleiste für Wischer, Bürsten
- Auslaufsichere Box für Reiniger
Zone 3: Vorräte und Getränkekisten (als Auszug)
- Schwere Sachen nach unten: Kisten, Konserven
- Auszug mit Reling oder hoher Seitenwand gegen Kippen
- Rutschhemmende Matte (z.B. Gummigranulat) im Boden
Zone 4: Werkzeug und Heimwerker-Kleinteile
- Flache Schubladen (8-12 cm) für Bits, Dübel, Klebeband
- Eine „Projektkiste“ pro Raum (Bad, Küche, Elektrik), spart Suchzeit
Zone 5: Koffer und Saisonartikel (hinten, seltener Zugriff)
- Großer Auszug oder Schiebetürbereich
- Textilien in staubdichten Taschen
Zone 6: Technik/Verteiler (wenn vorhanden)
Wenn Sicherungskasten, Router oder Heizungsbauteile im Bereich sind: Plane eine zugängliche Revisionsöffnung. Nichts dauerhaft verbauen, was im Störfall schnell erreichbar sein muss.
Materialien und Details, die im Fluralltag zählen
Unter der Treppe ist oft Flurbereich: Straßenschmutz, Feuchtigkeit, Stöße durch Taschen. Das Material sollte pflegeleicht und robust sein.
Fronten: robust statt empfindlich
- Melaminharzbeschichtete Platten: sehr alltagstauglich, preiswert, viele Dekore.
- HPL: noch widerstandsfähiger gegen Kratzer, gut bei Kindern.
- Lack matt: sieht gut aus, zeigt aber schneller Fettfinger (besonders bei dunklen Farben).
Kanten und Sockel: unscheinbar, aber entscheidend
- ABS-Kanten statt roher Schnittkante, sonst quillt es bei Feuchte.
- Rückspringender Sockel (ca. 5-8 cm): du stößt weniger mit den Schuhspitzen an.
- Schmutzfuge: 3-5 mm zur Wand, damit nichts klemmt bei ungeraden Wänden.
Griffe: flach und „taschentauglich“
Im engen Flur bleiben Taschen an Bügelgriffen hängen. Praktisch sind Griffleisten, Muschelgriffe oder Push-to-open. Push-to-open funktioniert gut, wenn die Fronten nicht zu schwer sind und die Auszüge sauber laufen.
Licht und Strom: So wird der Stauraum nicht zur dunklen Höhle
Gutes Licht macht Untertreppen-Stauraum doppelt so nutzbar. Du findest Dinge schneller und nutzt auch die hinteren Bereiche. In Mietwohnungen ist meist eine Lösung ohne feste Elektroinstallation sinnvoll.
Praktische Lichtlösungen (ohne Baustelle)
- LED-Leiste mit Bewegungsmelder (Batterie oder Akku): an der Seitenwand oder oben in der Nische.
- Magnetische LED-Spots: gut bei Metallleisten oder mit Klebepads.
- Ladestation: ein Akku-Licht, das du alle 4-8 Wochen lädst, ist oft stressfreier als Batteriewechsel.
Wenn du Strom legen lässt
- Plane eine Steckdose im Stauraum (z.B. für Akkustaubsauger, Router).
- Lege Schalter so, dass du ihn erreichst, ohne im Dunkeln die Tür zu suchen.
- Klär in Eigentum: Leitungslänge, Mauerdurchbrüche, Brandschutz in Holzkonstruktionen.

Budget und Umsetzung: drei realistische Wege
Du kannst den Untertreppenbereich von „schnell und gut“ bis „wie vom Schreiner“ ausbauen. Wichtig ist, dass das Ergebnis zum Alltag und zur Wohnsituation passt.
Option A: Sofortlösung (80-300 EUR)
- Offene Regale (Tiefe 30-40 cm) plus Boxen
- Vorhang oder leichte Schiebe-Front als Sichtschutz
- LED mit Bewegungssensor
Gut für Mietwohnungen und wenn du erst testen willst, was du dort wirklich lagerst.
Option B: Schiebetür vor der Nische (250-900 EUR)
- Eine durchgehende Front beruhigt den Flur optisch
- Dahinter: flexible Regale, ggf. ein Rollwagen
- Saubere Abschlussleisten gegen Staub
Wenn du wenig Flurbreite hast, ist das oft die stressfreiste Lösung.
Option C: Maß-Einbau mit Auszügen (900-3.500 EUR)
- Auszüge in unterschiedlichen Höhen
- Soft-Close, Reling, Innenaufteilung
- Fronten bündig, Schattenfugen, integriertes Licht
Rechnet sich, wenn du viel verstauen musst und der Flur dauerhaft aufgeräumt wirken soll.
Typische Fehler aus echten Projekten - und wie du sie vermeidest
- Fehler: Alles mit Regalböden füllen. Lösung: mindestens ein großes Fach für Sperriges (Staubsauger, Koffer).
- Fehler: Drehtür in engem Flur. Lösung: Schiebetür oder Auszug, vorher mit Schablone testen.
- Fehler: Keine Belüftung bei nassen Schuhen. Lösung: offene Schuhzone oder Lüftungsschlitze, Tropfschale.
- Fehler: Auszüge zu schmal geplant. Lösung: Miss den größten Gegenstand (z.B. Getränkekiste) plus 2 cm Luft.
- Fehler: Kein Plan für Sockelleisten und krumme Wände. Lösung: Blenden, Fugen und justierbare Füße einplanen.
Podsumowanie
- Miss die Schräge in 30-cm-Schritten und markiere alle Störstellen, bevor du planst.
- Bei wenig Flurbreite sind Schiebetüren oder Auszüge fast immer besser als Drehtüren.
- Plane nach Gegenständen: Schuhe vorn, Sperriges in ein großes Fach, Schweres nach unten.
- Setze auf robuste, pflegeleichte Fronten (Melamin/HPL) und saubere Kanten.
- Bewegungsmelder-LED macht den Stauraum sofort alltagstauglicher.
FAQ
Brauche ich für einen Untertreppen-Einbau eine Genehmigung?
In der Mietwohnung brauchst du die Zustimmung des Vermieters, wenn du fest verbaust oder Elektrik änderst. Freistehende Regale und geklemmte/geklebte Lösungen gehen meist ohne Genehmigung.
Welche Tiefe ist sinnvoll, damit der Stauraum nicht unpraktisch wird?
Für Regale reichen oft 30-40 cm. Wird es tiefer als 50-60 cm, sind Auszüge oder Rollmodule deutlich praktischer, sonst verschwindet alles hinten.
Wie verhindere ich Geruch und Feuchte durch nasse Schuhe?
Plane eine offene oder belüftete Schuhzone, nutze Tropfschalen und waschbare Matten. Geschlossene Fächer nur für trockene Schuhe oder mit Lüftungsschlitzen.
Was ist besser: Push-to-open oder Griffe?
Push-to-open wirkt ruhig und ist taschenfreundlich, braucht aber gut eingestellte Beschläge und leichte Fronten. Griffleisten oder Muschelgriffe sind robuster und weniger störanfällig.