Warum der Spiegelschrank im Alltag mehr entscheidet als Fliesen und Armatur
Der Spiegelschrank ist im Bad ein Funktionsmöbel: Er bestimmt, wie gut du dich rasierst oder schminkst, ob du Chaos auf dem Waschtisch hast und ob Geräte sicher angeschlossen sind. In deutschen Bädern (oft 4 bis 8 m2) ist er außerdem ein Stauraum-Hebel, weil Wandschrank statt Stellfläche.
Typische Fehlkäufe passieren aus drei Gründen: falsche Höhe (Spiegelkante passt nicht zur Körpergröße), falsche Tiefe (Türen stoßen an Armatur oder Kopf), und schlechte Elektroplanung (keine Steckdose innen, Kabelsalat, zu dunkles Licht). Das lässt sich mit ein paar Messpunkten und klaren Prioritäten vermeiden.
| Variante | Vorteil | Worauf achten |
| Aufputz-Spiegelschrank | Einfach nachrüstbar, viel Stauraum | Tiefe 12 bis 18 cm, seitlicher Überstand zur Wand |
| Spiegel + Unterschrank/Seitenschrank | Flexibel, weniger „Kasten“-Optik | Mehr Stellfläche nötig, Kabel/Steckdosen separat planen |
| Unterputz-/Einbau-Spiegelschrank | Sehr flach, optisch ruhig | Nur bei Renovierung sinnvoll, Wandaufbau/Installation prüfen |

Maße, die wirklich zählen: Breite, Höhe, Tiefe und Position über dem Waschtisch
Miss nicht „nach Augenmaß“, sondern nach Nutzung: Wer steht morgens davor, welche Körpergrößen sind im Haushalt, und welche Dinge sollen hinein. Dann legst du Breite, Höhe und Tiefe fest.
Breite: Orientierung am Waschtisch (und an den Ellenbogen)
Als Faustregel funktioniert: Spiegelschrankbreite = Waschtischbreite oder maximal 10 cm breiter pro Seite, wenn es optisch passt und keine Wandbegrenzung stört. In kleinen Bädern wirkt ein zu breiter Schrank schnell erdrückend und kollidiert häufiger mit Fensterlaibung oder Hochschrank.
- Waschtisch 60 cm: Spiegelschrank 60 cm, alternativ 70 cm, wenn genug Wand links/rechts ist.
- Waschtisch 80 cm: Spiegelschrank 80 cm, alternativ 90 bis 100 cm für mehr Stauraum, wenn die Wand es hergibt.
- Doppelwaschtisch 120 cm: 120 cm (oder 2x 60 cm), damit zwei Personen parallel nutzen können.
Höhe und Unterkante: So triffst du die richtige Spiegelzone
Entscheidend ist die Höhe der Spiegelmitte im Verhältnis zu den Augenhöhen. In Haushalten mit unterschiedlichen Größen wählst du die Position so, dass die Spiegelmitte ungefähr zwischen 155 und 170 cm liegt (typisch für viele Erwachsene). Wichtig: Die Unterkante darf nicht zu hoch sein, sonst „verschwindet“ der Waschtischbereich und du beugst dich ständig.
- Unterkante: meist 105 bis 115 cm über Fertigfußboden (abhängig von Waschtischhöhe und Armatur).
- Oberkante: idealerweise mindestens 200 cm, wenn große Personen im Haushalt sind, sonst 190 cm kann reichen.
- Praxis-Test: Klebe Malerkrepp an die Wand und markiere Unterkante/Oberkante, stell dich mit geradem Rücken davor.
Tiefe: Das unterschätzte Problem bei Kopf, Armatur und Türanschlag
Viele Spiegelschränke sind 12 bis 18 cm tief. Das ist gut für Stauraum, kann aber nerven, wenn du dich nah an den Spiegel heranbeugst (Rasur, Kontaktlinsen) oder wenn die Tür an eine hohe Armatur stößt.
- Bei hoher Armatur (z.B. Aufsatzwaschbecken): Tiefe eher 12 bis 14 cm wählen.
- Bei engem Bad: Schranktüren mit Soft-Close und stabilen Scharnieren, damit nichts klappert.
- Türanschlag prüfen: Öffnet die Tür Richtung Seitenwand, Fenster oder Handtuchhalter? Das vorher simulieren.
Licht am Spiegelschrank: Fehler vermeiden und Gesicht wirklich gleichmäßig ausleuchten
Badlicht scheitert selten an „zu wenig Watt“, sondern an falscher Position und Lichtfarbe. Wenn das Licht nur von oben kommt, entstehen harte Schatten unter Augen und Kinn. Für Rasur und Make-up willst du eine gleichmäßige, frontnahe Beleuchtung.
Welche Lichtlösung ist praktisch (und bezahlbar)?
- LED-Leiste oben: Standard, aber nur gut, wenn zusätzlich Raumlicht vorne/seitlich vorhanden ist.
- Seitliche Lichtfelder: sehr alltagstauglich, reduziert Schatten deutlich.
- Spiegel mit integrierter Flächen-LED: homogenes Licht, oft angenehm, aber bei günstigen Modellen manchmal zu kalt.
Farbtemperatur und Farbwiedergabe: Zahlen, die du wirklich prüfen solltest
Für Bad und Gesicht funktionieren 3000 bis 4000 Kelvin am besten. Warmweiß (3000K) wirkt wohnlicher, Neutralweiß (4000K) ist „ehrlicher“ bei Hauttönen. Achte auf CRI/Ra mindestens 90, wenn du dich schminkst oder Bartkonturen sauber sehen willst. Viele günstige Modelle liegen darunter und machen Haut fahl.
Blendung und Schalter: Kleine Details, großer Unterschied
- Blendfreiheit: Leuchte mit diffuser Abdeckung oder seitliche Lichtfelder statt punktförmiger Spots.
- Schalterposition: Seitlich am Korpus ist im Alltag oft besser als innen, besonders mit nassen Händen.
- Nachtmodus: Wenn vorhanden, sollte er wirklich schwach sein (sonst weckt er nachts).
Steckdosen, Strom und Sicherheit: So planst du ohne Kabelsalat und ohne Risiko
Im Bad gilt: Sicherheit zuerst. Gleichzeitig willst du Föhn, Rasierer, elektrische Zahnbürste oder Munddusche sinnvoll laden. Ein guter Spiegelschrank löst das im Inneren, damit die Arbeitsfläche frei bleibt.
Innensteckdose vs. Außensteckdose: Was ist sinnvoll?
- Innensteckdose: ideal für Zahnbürste, Rasierer, Trimmer. Kabel verschwinden, Geräte liegen trocken.
- Außensteckdose: praktisch für Föhn/Lockenstab, aber führt oft zu sichtbaren Kabeln.
- Kombi: innen eine Steckdose + außen eine gut platzierte Steckdose neben dem Waschtisch ist in vielen Wohnungen die beste Lösung.
Badzonen und Elektrik: kurz, aber wichtig
Die genaue Planung hängt von den Schutzbereichen (Zonen) im Bad ab und davon, wie nah der Spiegelschrank an Dusche/Badewanne sitzt. Wenn du unsicher bist: Anschluss und neue Steckdosen immer vom Elektriker prüfen lassen. In Mietwohnungen gilt zusätzlich: Veränderungen an der Elektroinstallation sind mit Vermieter abzustimmen.
Kabelmanagement im Schrank: So bleibt es aufgeräumt
- Geräte mit kurzen Ladekabeln oder Winkelsteckern nutzen, damit Türen nicht klemmen.
- Kabel mit selbstklebenden Clips am Innenkorpus führen (feuchtraumgeeignet).
- Ladezone definieren: ein Fach nur für Elektrogeräte, damit nichts umkippt.
Innenaufteilung, Türen und Spiegel: Stauraum, der nicht nervt
Der Stauraum muss zu deinen Produkten passen. Viele Schränke haben zwar Regalböden, aber zu wenig variable Höhen. Entscheidend ist, ob Flaschen, Pumpspender und Dosen wirklich reinpassen, ohne dass du jedes Mal Tetris spielst.
Regalböden: lieber weniger, dafür höhenverstellbar
- Höhenraster: Je kleiner die Raster (z.B. 2 bis 3 cm Schritte), desto flexibler.
- Belastbarkeit: Glasböden sind gut zu reinigen, sollten aber nicht durchbiegen (schau nach stabilen Auflagen).
- Typische Engstelle: 200 ml Pumpspender brauchen oft 20 bis 23 cm Höhe.
Türen: 2 oder 3 Türen und warum das im Alltag zählt
- 2 Türen: weniger Fugen, oft günstiger, aber größere Türflügel brauchen Platz beim Öffnen.
- 3 Türen: schmalere Flügel, besser in engen Bädern, häufig mehr Spiegelfläche ohne „toten Winkel“.
- Soft-Close: im Bad sehr empfehlenswert, weil Feuchte Materialien arbeiten lässt und Türen sonst schneller klappern.
Spiegelqualität: Was du im Geschäft oder online prüfen kannst
- Verzerrung: Prüfe Linien (Fliesenfuge, Türrahmen) im Spiegelbild. Wellen sind ein Warnsignal.
- Kanten: Sauber gefasste Kanten reduzieren Korrosionsrisiko.
- Antibeschlag: Komfortmerkmal, aber es braucht Strom und bringt nur etwas, wenn es groß genug ist (nicht nur ein Mini-Pad).

Montage in Deutschland: Wandtyp, Dübel, Traglast und typische Altbau-Fallen
Ein voller Spiegelschrank wiegt schnell 15 bis 30 kg, mit Inhalt mehr. Entscheidend ist, ob du in Fliesen bohrst, in Gipskarton hängst oder in Altbauputz mit Hohlstellen landest.
Vorab-Check: Was hängt hinter der Wand?
- Leitungssuche: Vor dem Bohren immer Leitungssucher nutzen (Strom/Wasser).
- Fliesen: Bohren nur mit geeignetem Fliesenbohrer, ohne Schlag starten.
- Gipskarton: Tragfähigkeit nur mit passenden Hohlraumdübeln oder besser: in Ständerprofile verschrauben.
Praxis-Setup für saubere Montage
- Montagehöhe anzeichnen (Unterkante), zusätzlich Mittellinie markieren.
- Mit Wasserwaage arbeiten, nicht nach Fliesenfugen vertrauen (Altbau ist oft schief).
- Zu zweit montieren: einer hält, einer verschraubt. Spart Schäden an Fliesen und Korpus.
Kaufcheck im Laden oder online: 12 Punkte, die du wirklich prüfen solltest
- Breite passend zum Waschtisch (oder bewusst breiter, wenn Wandfläche frei).
- Tiefe passt zu deiner Nutzung (Kontaktlinsen, Rasur, enge Laufwege).
- Höhenraster der Böden: genug Flexibilität für hohe Flaschen.
- Soft-Close oder solide Scharniere (badtypische Feuchte).
- Innensteckdose vorhanden und sinnvoll positioniert.
- Leuchte: 3000 bis 4000 K, CRI/Ra 90+ wenn du Wert auf Hauttöne legst.
- Schalter: gut erreichbar, auch mit nassen Händen.
- Reinigung: glatte Innenflächen, wenige Ritzen, abwischbare Böden.
- Spiegelbild: keine Verzerrung, saubere Kanten.
- Montageset: ist es dabei und für deinen Wandtyp geeignet?
- Service: Ersatzteile für Scharniere/Leuchtmittel (bei integrierter LED wichtig).
- Geräusch: Türen schließen leise, nichts klappert bei leichtem Druck.
Podsumowanie
- Breite am Waschtisch ausrichten, Tiefe an Nutzung und Armatur anpassen.
- Unterkante meist 105 bis 115 cm, Spiegelzone per Klebeband testen.
- Licht: 3000 bis 4000 K, CRI/Ra 90+ für natürliche Hauttöne.
- Innensteckdose + sauberes Kabelmanagement halten den Waschtisch frei.
- Montage nach Wandtyp planen, Leitungen suchen, bei Unsicherheit Elektriker einbeziehen.
FAQ
Welche Tiefe ist für einen Spiegelschrank im kleinen Bad am besten?
In engen Bädern funktionieren meist 12 bis 14 cm gut. Du bekommst genug Stauraum, ohne beim Vorbeugen ständig anzustoßen oder Türen in den Laufweg ragen zu lassen.
Ist eine integrierte LED im Spiegelschrank sinnvoll oder lieber separate Leuchten?
Integrierte LED ist bequem und oft optisch sauber. Achte auf 3000 bis 4000 K und CRI/Ra 90+. Wenn das Licht nur von oben kommt, ergänze idealerweise seitliche Lichtquellen oder gutes Deckenlicht, damit keine Schatten entstehen.
Kann ich einen Spiegelschrank in der Mietwohnung einfach montieren?
Bohrmontage ist meist erlaubt, solange du fachgerecht arbeitest und beim Auszug die Löcher ordentlich schließt. Bei Fliesen und bei Eingriffen in die Elektroinstallation (neue Steckdose, fester Anschluss) solltest du vorher klären, was der Vermieter erlaubt.
Wie verhindere ich, dass der Spiegel nach dem Duschen beschlägt?
Am zuverlässigsten ist Lüften: kurz und kräftig (Stoßlüften) und die Badezimmertür danach schließen, damit Feuchte nicht in die Wohnung zieht. Antibeschlag-Heizflächen helfen zusätzlich, sind aber nur effektiv, wenn sie ausreichend groß sind und korrekt positioniert werden.