Lowboard richtig planen: Kabel unsichtbar, TV-Höhe passend, Stauraum leise nutzbar

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Warum das Lowboard oft mehr Probleme macht als der TV

Ein Lowboard wirkt auf Fotos simpel, im Alltag ist es eine der technischsten Möbelzonen im Wohnzimmer: Strom, Daten, Lautsprecher, Router, Konsolen, Ladegeräte, Fernbedienungen, Staub und Wärme. Wenn du hier nicht planst, bekommst du sichtbare Kabel, klappernde Türen, Hitzestau für Geräte und dauerhaftes Durcheinander.

Gute Planung bedeutet nicht „mehr Möbel“, sondern klare Entscheidungen: Welche Geräte müssen wirklich sichtbar sein, wo sind Anschlüsse, wie oft brauchst du Zugriff und wie leise soll das Ganze funktionieren (keine vibrierenden Türen, kein brummender Subwoofer im Korpus).

Die folgenden Schritte sind so aufgebaut, dass du erst Maße und Technik klärst und danach Optik und Stauraum. Damit vermeidest du die typischen Fehlkäufe: zu niedrige TV-Höhe, zu wenig Tiefe für Receiver oder eine Rückwand ohne Kabelwege.

  • Stehen Steckdosen und Antennen-/LAN-Anschluss hinter dem TV oder seitlich? (ja/nein)
  • Hast du mehr als 3 Geräte (z.B. Soundbar, Konsole, Receiver, Router) die dauerhaft angeschlossen sind? (ja/nein)
  • Muss mindestens ein Gerät IR-Empfang haben (Fernbedienung ohne Bluetooth)? (ja/nein)
  • Willst du eine Soundbar unter dem TV (oder Center-Speaker)? (ja/nein)
  • Willst du Stauraum für große Formate (Vinyl, Ordner, Boardgames)? (ja/nein)
  • Gibt es Kinder/Haustiere und du brauchst geschlossene Fächer? (ja/nein)
  • Wird oft umgesteckt (Laptop per HDMI, Konsolenwechsel)? (ja/nein)
Modernes Wohnzimmer mit breitem Lowboard, sauberem Kabelmanagement und TV auf passender Höhe in neutralen Beigetönen
Proportionen und saubere Kabelwege machen das TV-Setup sofort ruhiger.

Schritt 1: Die richtige Höhe für TV und Lowboard festlegen

Die häufigste Fehlplanung: TV hängt zu hoch, Lowboard zu niedrig, Soundbar passt nicht oder die Blicklinie stimmt nicht. Als Faustregel im deutschen Wohnzimmer (Sofa-Sitzhöhe oft 42-46 cm) sollte die Bildmitte ungefähr auf Augenhöhe im Sitzen liegen.

Praktische Richtwerte

  • Augenhöhe im Sitzen: meist 95-110 cm (je nach Körpergröße und Sofa).
  • Bildmitte des TV: ideal 95-110 cm über Fertigfußboden.
  • Lowboard-Höhe: häufig 35-55 cm. Mit Soundbar oft eher 45-55 cm, damit es nicht gequetscht wirkt.

So misst du schnell: Setz dich auf dein Sofa, schau geradeaus, markiere die Augenhöhe an der Wand mit Malerkrepp. Dann nimm die TV-Höhe (z.B. 65 Zoll: ca. 83 cm Höhe) und berechne die Unterkante: Augenhöhe minus (TV-Höhe/2). So weißt du, wo der TV beginnen sollte.

Wenn eine Soundbar dazu kommt

  • Plane mindestens 7-10 cm Luft zwischen Soundbar-Oberkante und TV-Unterkante.
  • Soundbar nicht in ein enges Fach quetschen: Schall braucht freie Kante nach vorne.
  • Bei Wandmontage: Soundbar an die Wand oder aufs Lowboard, aber nicht hinter Deko verstecken.

Schritt 2: Breite und Proportionen, damit es „ruhig“ aussieht

Ein Lowboard kann einen Raum ordnen oder unruhig machen. Die Proportion zum TV und zur Wandfläche ist entscheidend. Zu schmal wirkt wie ein „Podest“, zu breit wirkt schwer, wenn es die ganze Wand erschlägt.

Breite in der Praxis

  • Minimal: Lowboard mindestens so breit wie der TV, besser +20 bis +60 cm insgesamt.
  • Für 55-65 Zoll: oft 160-220 cm Lowboardbreite passend.
  • Bei Mietwohnungen mit 2,5 m Wandabschnitt: 180-200 cm wirkt meist harmonisch und lässt seitlich Luft.

Tiefe: nicht nur Optik, sondern Technik

  • Standardtiefen: 35-45 cm.
  • Receiver, AV-Amps, manche Konsolen brauchen real 35-40 cm plus Kabelradius. Plane hinten 5-8 cm Luft oder eine Kabelzone.
  • Wenn du flach willst (30-32 cm): Dann nur, wenn Geräte extern stehen oder du auf „sichtbar“ umstellst (z.B. Soundbar + Streaming Stick ohne Receiver).

Schritt 3: Kabelmanagement planen wie eine kleine Installation

„Unsichtbare Kabel“ sind fast nie komplett unsichtbar, sondern geordnet und leicht zugänglich. Ziel: Von vorn kein Kabelsalat, hinten eine definierte Strecke, die du bei Bedarf öffnen kannst.

Die saubere Lösung in 3 Ebenen

  • Ebene 1 (Wand): TV-Kabel nach unten führen (Kabelkanal in Wandfarbe oder Textil-Kabelschlauch).
  • Ebene 2 (Lowboard-Rückseite): definierte „Kabelzone“ mit Durchlässen (Ø 60 mm reichen oft, besser 2 Stück).
  • Ebene 3 (innen): Mehrfachsteckdose fixiert, Kabel gebündelt, Netzteile getrennt von Signal-Kabeln.

Konkrete Tipps, die im Alltag Zeit sparen

  • Mehrfachsteckdose nicht lose reinlegen. Fixieren (Klettband, Schraubleiste, Montageband), damit beim Herausziehen eines Steckers nicht alles mitkommt.
  • Netzteile beschriften (kleine Etiketten): „TV“, „Soundbar“, „Konsole“. Das spart Nerven bei Umzügen oder wenn ein Gerät spinnt.
  • Service-Schlaufe: 10-15 cm extra Kabellänge hinter Geräten, damit du sie vorziehen kannst, ohne alles zu lösen.
  • LAN statt WLAN, wenn der Router im Lowboard sitzt: stabiler, weniger „Warum ruckelt es?“ beim Streaming.

Wenn du nicht bohren willst (Mietwohnung)

  • Kabelkanal selbstklebend (glatter Untergrund, vorher entfetten).
  • Textil-Kabelschlauch hinter dem TV bis zur Board-Oberkante, dann durch eine Rückwandöffnung.
  • Bei empfindlichen Wänden: Klebepads mit Zuglasche (sauber entfernbar), aber Traglast beachten.

Schritt 4: Gerätebelüftung und Wärme: unterschätzt und teuer

Wärme ist der stille Killer für Router, Konsolen und AV-Receiver. Ein schönes Lowboard ohne Luftführung führt zu Hitzestau, Drosselung und verkürzter Lebensdauer. Besonders kritisch: Receiver/Amps, ältere Konsolen und geschlossene Fächer ohne Rückwandöffnungen.

So erkennst du Risiko-Zonen

  • Geräte werden oben deutlich warm nach 30-60 Minuten.
  • Fächer sind hinten geschlossen oder nur mit einem kleinen Loch versehen.
  • Du stapelst Geräte übereinander.

Praxislösungen

  • Mindestens 5 cm Luft über warmen Geräten, bei AV-Receiver eher 8-10 cm.
  • Rückwand öffnen: großer Ausschnitt statt Mini-Loch. Warme Luft muss raus, nicht nur Kabel durch.
  • Fronten wählen: Stoffklappe, Akustikstoff, perforierte Türen oder Lamellen, wenn IR-Empfang nötig ist und Luft zirkulieren soll.
  • Router besser frei oder in ein gut belüftetes Fach, nicht hinter MDF-Türen „einsperren“.

Schritt 5: Stauraumaufteilung, die wirklich genutzt wird

Ein Lowboard ist kein „alles rein“-Möbel. Es funktioniert, wenn jedes Fach eine Aufgabe hat. Sonst entsteht die typische Mischung aus Kabeln, Batterien, Kerzen, Handbüchern und alten Controllern.

Bewährte Fach-Zuordnung (realistisch für 160-200 cm)

  • Fach 1 (täglich): Fernbedienungen, Controller, Kopfhörer. Am besten Schublade mit Einsatz.
  • Fach 2 (Technik sichtbar): Konsole/Receiver/Streaming-Box, mit Belüftung und Kabelzone.
  • Fach 3 (selten): Ersatzkabel, Batterien, Handbücher in beschrifteten Boxen.
  • Fach 4 (Wohnliches): 2-3 Dinge, die bleiben dürfen (z.B. eine Schale, ein Buchstapel). Nicht mehr, sonst wird es unruhig.

Schubladen vs. Türen

  • Schubladen sind für Kleinteile klar überlegen: du siehst alles, nichts verschwindet hinten.
  • Türen sind gut für große Dinge (Boardgames, Decken), aber plane Innenboxen, sonst wird es ein Haufen.
  • Wenn Kinder im Haushalt sind: Türen mit Dämpfung und ggf. Kindersicherung, Kabel komplett aus dem Zugriff.
Detail eines TV-Lowboards mit geordneten Kabeln, Mehrfachsteckdose und belüftetem Gerätefach
Innen zählt: Stromleiste fixieren, Kabel bündeln, Luft für Geräte lassen.

Schritt 6: Wandmontage, Füße oder Sockel: was in Deutschland wirklich praktisch ist

Optisch wirkt schwebend oft leichter, aber im Alltag zählen Staubsauger, Altbau-Wände und Steckdosenpositionen.

Wandmontage (schwebend)

  • Vorteile: leicht zu reinigen, wirkt modern, Kabel können dahinter geführt werden.
  • Risiken: Altbau-Mauerwerk und Gipskarton brauchen passende Dübel und eine saubere Lastverteilung. Nicht „irgendwie“ montieren.
  • Tipp: Wenn du unsicher bist: lieber stehendes Board und Kabelkanal, statt wackelige Wandlösung.

Füße (10-15 cm)

  • Vorteile: Saugroboter/Staubsauger kommt drunter, weniger Staubkante als bei Bodennähe.
  • Tipp: Filzgleiter oder harte Gleiter je nach Boden (Parkett vs. Vinyl). Bei Klick-Vinyl nicht punktuell zu hart belasten.

Sockel (bodennah)

  • Vorteile: sehr stabil, wirkt „built-in“.
  • Nachteile: Staub sammelt sich an Kanten, Kabelausgänge sind oft schwieriger.

Schritt 7: Oberfläche und Farbe: robust statt empfindlich

Im Wohnzimmer wird das Lowboard angefasst, gereinigt und oft als Ablage missbraucht. Hochglanz sieht im Laden gut aus, zeigt aber Mikrokratzer und Fingerabdrücke schnell. Matte Oberflächen sind alltagstauglicher.

Material-Quickcheck

  • Melamin/Schichtstoff: sehr robust, gut für Familienhaushalte, preislich oft 150-500 EUR.
  • Furnier: wohnlich, aber empfindlicher, gut mit geölter Oberfläche und Untersetzern.
  • Lack matt: hochwertig, aber auf Reinigung achten (keine aggressiven Reiniger).

Farben, die Kabel optisch „verschwinden“ lassen

  • Wenn viele schwarze Geräte: dunkles Board (anthrazit, schwarzbraun) beruhigt.
  • Wenn du hell willst: Geräte in ein geschlossenes, belüftetes Fach und Kabelkanal in Wandfarbe.
  • Holzoptik funktioniert fast immer, wenn Wand und Textilien nicht zu bunt sind.

Typische Fehler und schnelle Korrekturen

  • TV zu hoch: Lowboard höher wählen oder TV tiefer hängen. Notlösung: TV-Standfuß mit Höhenverstellung.
  • Kabel hängen seitlich raus: zweites Kabeldurchlass-Loch nachrüsten und Kabel mit Klett bündeln.
  • IR funktioniert hinter Tür nicht: Türfront wechseln (Stoff/Lamellen) oder IR-Repeater nutzen.
  • Hitzestau: Rückwand großflächig öffnen, Gerät auf Füßchen stellen, Abstand erhöhen.
  • Unruhe durch Deko: maximal 2-3 Teile oben, Rest in Schublade. Eine große Schale statt vieler Kleinteile.

Podsumowanie

  • TV-Höhe über die Bildmitte auf Augenhöhe im Sitzen planen.
  • Lowboardbreite: mindestens TV-Breite, besser plus 20-60 cm.
  • Kabelmanagement in Wand, Rückseite und Innenraum strukturieren (Steckdose fixieren, Kabel beschriften).
  • Belüftung einplanen: Luft nach oben, Rückwand-Ausschnitt, geeignete Fronten.
  • Stauraum nach Nutzung aufteilen: täglich, Technik, selten, wohnlich.
  • Oberflächen robust wählen: matte, pflegeleichte Materialien für den Alltag.

FAQ

Welche Lowboard-Tiefe brauche ich für Konsole und Receiver?

Plane 40-45 cm, wenn Geräte hinten Kabel mit Stecker haben. Bei 35 cm wird es oft eng, außer du hast eine freie Kabelzone oder Winkelstecker.

Wie viele Kabeldurchlässe sind sinnvoll?

Mindestens zwei: einer für Strom, einer für Signal (HDMI, LAN, Antenne). So trennst du Kabelbündel und bekommst weniger Chaos und weniger Störungen.

Kann ich Geräte hinter Türen bedienen?

Nur, wenn die Geräte Bluetooth nutzen oder die Front IR-durchlässig ist (Stoff, bestimmte Lamellen). Sonst brauchst du eine offene Nische oder einen IR-Repeater.

Wandmontage im Altbau: worauf achten?

Tragfähigkeit prüfen (Mauerwerk vs. Gipskarton), passende Dübel wählen und Last über eine durchgehende Schiene verteilen. Bei Unsicherheit ist ein stehendes Board die sichere Lösung.

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